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Darmsanierung
Bakterien, die
verkannten Genies
Jahrzehntelang wurden Bakterien als Feinde des
Menschen gefürchtet und gnadenlos bekämpft. In den letzten Jahren hat
die Wissenschaft bestätigt, was viele ganzheitlich denkende Ärzte und
Patienten schon lange wussten: Bakterien haben es verdient differenzierter
betrachtet zu werden. Sie sind nicht nur Krankheitserreger sondern auch
Gesundheitserreger. Die Ärzte des Arbeitskreises für Mikrobiologische
Therapie und tausende weiterer Therapeuten nutzen dieses Wissen bereits seit
über fünfzig Jahren und heilen mit Bakterien. Ausgewählte
Bakterien wie E. coli und Enterokokken werden eingesetzt um das gestörte
Abwehrsystem wieder ins Lot zu bringen. Andere Bakterienarten, die sogenannten
Milchsäurebakterien, wie Bifidobakterien oder Laktobazillen, werden
verwendet um das Milieu im Darm zu normalisieren und ein harmonisches
Miteinander unter den Bakterien der Darmflora
wiederherzustellen.
Eigenschaften wichtiger Bakterien im
Verdauungstrakt
Die Behandlung mit Bakterien basiert auf der
Erkenntnis, daß "gesundheitserregende" Bakterien auf den
Schleimhäuten lebenswichtige Funktionen ausüben. Dazu gehört an
erster Stelle das permanente Training des Immunsystems. Tierexperimentelle
Untersuchungen mit keimfreien Tieren haben eindrucksvoll belegt, dass ohne die
Anwesenheit von Bakterien im Körper die Entwicklung eines funktionierenden
Abwehrapparates unterbleibt und der Organismus Krankheitserregern schutzlos
ausgeliefert ist. Selbst harmlose Bakterien führen bei keimfrei
aufgezogenen Tieren zu tödlichen Infektionen. Ohne Bakterien gibt es also
kein funktionierendes Immunsystem!
Neben ihrer Tätigkeit als
Sparringspartner des Immunsystems, errichten "freundliche" Bakterien Barrieren
gegen Krankheitserreger, die regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen
werden. Eine Infektion wird verhindert, weil die Eindringlinge keine "freien
Plätze" an der Schleimhaut vorfinden und unverrichteter Dinge wieder
ausgeschieden werden. Schließlich tragen bestimmte Bakterienarten dazu
bei, dass die Darmschleimhaut optimal mit Nährstoffen versorgt wird und
andere Bakterien sind in der Lage lebenswichtige Vitamine zu
produzieren.
Probiotika - heilen mit Bakterien
All
diese wichtigen, zum Teil sogar lebenswichtigen Funktionen von Bakterien,
werden im Rahmen einer Mikrobiologischen Therapie nachgeahmt - heilen mit
Bakterien! Die Präparate die dabei eingesetzt werden, nennt man Probiotika
(pro bios = für das Leben). Dabei müssen aber verschiedene Typen von
Probiotika unterschieden werden, denn allzu leicht kann durch die Werbeaussagen
einiger Joghurthersteller der Eindruck entstehen, probiotische Joghurts seien
quasi Arzneimittel und dazu geeignet Krankheiten zu heilen:
Medizinische
Probiotika: Mikrobiologische Therapeutika, deren Wirkstoffe aus lebenden
und/oder abgetöteten Mikroben (meist E.coli und Enterokokken) bestehen
(Arzneimittel). Pharmazeutische Probiotika: Von der pharmazeutischen Industrie
hergestellte mikrobiologische Ernährungsprodukte, die gefriergetrocknete
Milchsäurebakterien enthalten (meist Nahrungsergänzungen).
Alimentäre Probiotika: Mikrobenkulturen oder -anreicherungen als
gesundheitsunterstützende Stoffe in Nahrungsmitteln (meist Joghurt), die
von der Lebensmittelindustrie hergestellt werden.
Während im Rahmen
einer Mikrobiologischen Therapie medizinische und pharmazeutische Probiotika
eingesetzt werden, leisten alimentäre Probiotika einen sinnvollen Beitrag
für eine gesunde Ernährung; Joghurt als Heilmittel anzusehen ist
allerdings schlichtweg Unsinn!
Bei welchen Erkrankungen ist eine
Mikrobiologische Therapie sinnvoll?
Da Probiotika regulierend auf
das Immunsystem einwirken, werden sie sowohl eingesetzt bei Krankheiten bei
denen Abwehrschwächen im Vordergrund stehen (immer wiederkehrende Infekte,
Pilzerkrankungen und andere) als auch bei Allergien, bei denen das Abwehrsystem
übertrieben arbeitet. Neben der Behandlung akuter Infekte sind es vor
allem chronische oder chronisch rezidivierende (immer wiederkehrende)
Erkrankungen, bei denen eine Mikrobiologische Therapie durchgeführt wird:
- Atopisches Ekzem (Neurodermitis)
- Pollinosis (Heuschnupfen)
- Urtikaria (Nesselfieber)
- Abszesse und Furunkel Infekte der Atemwege
(Mandelentzündung, Nasennebenhöhlen- oder
Stirnhöhlenentzündungen, Bronchitis und andere)
- Meteorismus (Blähungen), Diarrhoe
(Durchfall), Obstipation (Verstopfung)
- Colon irritabile (Reizdarmsyndrom)
- Pilzerkrankungen ( Scheidenpilz, Hautpilz,
Candida-Besiedlung des Darmes).
Die Mikrobiologische Therapie - ein
Mehrkomponentensystem
Verschiedene Bakterien haben unterschiedliche
Wirkungen. So bewerkstelligen E. coli und Enterokokken eine intensive
Regulierung des Immunsystems. Milchsäurebakterien, wie Bifidobakterien
oder Laktobazillen hingegen wirken vor allem regulierend auf das Milieu des
Darmes ein und normalisieren dort die Zusammensetzung der Darmflora. Hinzu
kommt, dass die Wirkungsweise von E. coli und Enterokokken variiert, je nachdem
ob die Bakterien in lebender oder abgetöteter Form zugeführt werden.
Schließlich entscheidet auch die Herkunft der therapeutisch eingesetzten
Bakterienstämme über den Einfluß auf das Abwehrsystem: so
wirken Probiotika aus körpereigenen E.coli-Bakterien des Patienten
(Autovaccine, sprich "Autovakzine") auf eine ganz besonders individuelle und
sehr intensive Weise regulierend auf das Immunsystem.
Diese
Ausführungen sollen verdeutlichen, dass unterschiedliche Erkrankungen auch
unterschiedliche Anforderungen an Probiotika stellen. Aus den langjährigen
Erfahrungen und Forschungen unseres Arbeitskreises heraus, wurde deshalb eine
ganze Palette an unterschiedlichen Probiotika entwickelt. Je nach Schwere,
Dauer und Art der Erkrankung des einzelnen Patienten werden die passenden
"probiotischen Komponenten" zusammengestellt. Therapieerfolg durch
Vielfalt!
Basistherapie Die Basis der Mikrobiologischen Therapie
stellen medizinische Probiotika aus E. coli und Enterokokken dar. Verschiedene
Präparate enthalten diese Bakterien in abgetöteter und lebender Form:
ProSymbioflor besteht aus inaktivierten E.coli und Enterokokken und wird in der
sogenannten Vorphase zur Vorbereitung auf die Gabe von Lebendkeimen eingesetzt.
Im Anschluß daran erfolgt die Mikrobiologische Therapie der Phase 1 mit
der Gabe von lebenden Enterokokken (Symbioflor 1). Abgeschlossen wird die
Mikrobiologische Therapie schließlich mit der Phase 2, d.h. dem
gleichzeitigen Einsatz von lebenden Enterokokken (Symbioflor 1) und lebenden E.
coli (Symbioflor 2).
Therapieintensivierung Bei schweren und
langwierigen Krankheitsverläufen besteht die Möglichkeit aus
patienteneigenen E. coli-Bakterien (isoliert aus Stuhlproben) ein hochwirksames
Individualarzneimittel zur intensivierten Immunregulation, eine Autovaccine,
anfertigen zu lassen. Autovaccinen werden dann begleitend zur Basistherapie, in
den Phasen 1 und 2 eingesetzt.
Ergänzende Therapie Bei
Allergien, Pilzerkrankungen sowie bei Erkrankungen und Störungen des
Magen-Darm-Traktes vermag die ergänzende Behandlung mit
Milchsäurebakterien das mikrobielle Gleichgewicht im Darm zu
regulieren.
Wie lange dauert eine Mikrobiologische Therapie?
Die Behandlungsdauer richtet sich letztlich nach der Schwere und
Dauer der Erkrankungen und nach dem individuellen Ansprechen des Patienten auf
die Mikrobiologische Therapie. In aller Regel liegt sie bei sechs bis neun
Monaten - in schweren Fällen allerdings auch darüber
hinaus.
Die Mikrobiologische Therapie ist ein regulierendes Verfahren,
sie gibt dem Körper Hilfe zur Selbsthilfe, das heißt sie
unterstützt die Selbstheilungskräfte des Patienten und beseitigt das
Übel an der Wurzel! Durchhalten wird belohnt!
Quelle:
Arbeitskreis für Mikrobiologische Therapie in Herborn
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